Warum Delegation zählt

Mit einem einzigen, starken Modell für alles zu arbeiten ist intuitiv, aber ineffizient. Ein Opus-Modell für einfache Syntax-Korrekturen ist wie ein Chirurg, der Heftpflaster klebt. Teuer, und der Chirurg wird es irgendwann leid.

Die richtige Delegation — welche Aufgabe an welchen Agenten, zu welchem Zeitpunkt — ist eine der wichtigsten Disziplinen in produktiven KI-Workflows. Und sie hat nichts mit den neuesten Modell-Releases zu tun.

Meine Delegation nach Komplexität

Ich denke in drei Ebenen:

  • Haiku / kleine Modelle: Syntax-Validation, Linting, einfache Text-Transformationen, schnelle Status-Checks, Daten-Parsing. Alles was kein tiefes Reasoning braucht.
  • Sonnet (Standard): Pair Programming, Feature-Implementation, hochfrequente Tasks, die volle Genauigkeit brauchen aber kein Architektur-Denken.
  • Opus: Komplexe Architektur-Entscheidungen, tiefes Debugging, kritische Code-Reviews, Planung von größeren Refactors. Selten, aber wenn, dann gezielt.

Diese Aufteilung spart 30–40% Kosten gegenüber "immer Opus" — ohne Qualitätsverlust bei den meisten Aufgaben.

Delegation nach Aufgabentyp

Jenseits von Modell-Größe gibt es Delegation nach Spezialisierung. Manche Agenten sind besser für bestimmte Domänen — nicht weil sie ein anderes Modell nutzen, sondern weil ihre Skills und ihr Kontext besser passen.

Bei mir gibt es spezialisierte Setups für: Infrastructure-as-Code, Python-Services, Frontend-Komponenten, Dokumentation. Jedes Setup hat die relevanten Conventions im Memory, die passenden MCP-Verbindungen, die richtigen Grenzen.

Subagents für parallele Arbeit

Eine unterschätzte Möglichkeit: statt eine Aufgabe sequenziell zu bearbeiten, sie in unabhängige Teilaufgaben aufzuteilen und parallel zu delegieren. Ein Agent liest Dokumentation, ein anderer schreibt Tests, ein dritter prüft Sicherheits-Implikationen — gleichzeitig.

Das funktioniert nicht immer, aber bei Aufgaben mit klar trennbaren Teilen ist es ein echter Hebel. Die Koordinations-Overhead lohnt sich ab einer bestimmten Komplexität.

Wann Delegation nicht hilft

Delegation löst keine unscharfen Aufgaben. Wenn ich selbst nicht genau weiß, was ich will, nützt die beste Delegation nichts. Ein Subagent für eine schlecht definierte Aufgabe produziert schneller schlechte Ergebnisse — nicht besser.

Die Faustregel: Delegation setzt Klarheit voraus. Wer delegiert, muss wissen, was rauskommen soll. Das ist dieselbe Anforderung wie bei menschlicher Delegation.